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Ausstellung
26.02.2005 - 01.05.2005
Glasmuseum Hentrich
Grünes Gewölbe in der Tonhalle EPOCHEN DES ERFOLGS -
400 JAHRE GLAS IN BÖHMEN Parallel zu der großen Sonderausstellung „Aufbruch – Tschechisches Glas 1945-1980“ im museum kunst palast macht die Schau im Grünen Gewölbe der Tonhalle den handwerklichen und künstlerischen Hintergrund anschaulich, vor dem sich der erstaunliche Aufschwung der Nachkriegszeit vollzog.
Anhand der Bestände des Glasmuseum Hentrich wird die historische Entwicklung aufgezeigt, der das böhmische Glas seinen legendären Ruf verdankt. Am Anfang stehen die großformatigen Emailhumpen der späten Renaissance, die zu der gleichzeitigen eleganten Glaskunst Venedigs in Konkurrenz traten. Die gravierten und geschliffenen Kristallgläser des Barock illustrieren dann den entscheidenden Schritt Böhmens zur Weltgeltung. Die Grundlage hierfür war die Entwicklung des Kreideglases, eines durch sorgfältige Aufbereitung der Rohstoffe besonders reinen und farblosen Materials, das auch bei dickwandigen Gefäßen völlig klar und durchsichtig blieb und so vorzüglich für den Glasschliff und die figürliche und dekorative Gravur geeignet war. Dies neue Glas kam dem ornamentfreudigen Zeitgeschmack des Barock entgegen: Böhmen löste mit dem ausgehenden 17. Jahrhundert Venedig als führendes Glaszentrum der Welt ab. Im Verlauf des 18. Jahrhundert festigten die großen Glashütten in den Bergregionen Nordböhmens und im Böhmerwald ihre Position als Lieferanten für den Großteil des europäischen Bedarfs an qualitätvollen Gläsern, während die Spitzenwerke der Zeit in den Werkstätten der Hofglasschneider in fürstlichen Zentren wie Potsdam, Dresden, Kassel oder Braunschweig entstanden. Mit dem Siegeszug des Porzellans und der Verfeinerung des Geschmacks zugunsten von Modegetränken wie Kaffee und Schokolade endete diese Epoche in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Ihren Endpunkt markiert die französische Revolution, die dem Bürgertum sozialen Aufstieg und zunehmend politische Macht brachte. Die Glasveredler Böhmens stellten sich geschickt auf die neue Situation ein. Die Glaskunst Böhmens und des Biedermeier wurden für Mitteleuropa nahezu identisch. In zahllosen Heimbetrieben schufen vorzügliche Handwerker meist kleinformatige Gefäße, deren feinteiliger Dekor in Schliff, Gravur oder Malerei den Wünschen eines sich neu bildenden bürgerlichen Sammlerpublikums entsprach. Daneben förderte der Aufschwung der Naturwissenschaften im Verlauf des 19. Jahrhunderts die Entwicklung einer Vielzahl von neuartigen Farbgläsern. International agierende Glasverleger und Händler sorgten für den Vertrieb; sie hatten Niederlassungen von Portugal bis in die Türkei und bedienten auch die Kolonien und Staaten jenseits der Ozeane. Mit dem Wiener Verlagshaus J.& L. Lobmeyr, das in Böhmen produzieren ließ, sorgte in der Zeit des Historismus – der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – ein Unternehmen mit höchsten Qualitätsansprüchen dafür, dass die Gefahren der mechanischen Massenproduktion das künstlerische Potential der böhmischen Glasregion nicht beeinträchtigte. Um die Jahrhundertwende sind es dann wiederum vornehmlich böhmische Hütten, allen voran die Manufaktur Lötz Witwe im südböhmischen Klostermühle, die im deutschsprachigen Raum – stark beeinflusst durch die Wiener Kunstszene – das Bild der Glaskunst bestimmen. Nach dem Ende des 1. Weltkriegs schließlich setzt sich in der neu gegründeten ersten tschechoslowakischen Republik die Erfolgsgeschichte des böhmischen Glases fort. Zunehmend bestimmen die vorzüglichen nordböhmischen Glasfachschulen das Erscheinungsbild der künstlerischen Produktion der Region, die weiterhin dem Wiener Kunstkreis eng verbunden bleibt und stark durch deutschstämmige Firmen und Handwerker bestimmt wird. Dies ändert sich grundlegend in der zweiten Jahrhunderthälfte. Durch den sozialistisch geprägten neuen tschechoslowakischen Staat gefördert, gelangen tschechische Künstler in den alten Glasgebieten Böhmens zu neuen, ungeahnten Spitzenleistungen. Sie sind das Thema der Präsentation im museum kunst palast. Den Abschluss der Ausstellung in der Tonhalle bilden Glasskulpturen und Arbeiten von tschechischen Künstlern der jüngeren Generation, die die Entwicklung nach dem „Aufbruch“ der Nachkriegszeit veranschaulichen. | ![]() Becher Böhmen, Haida, um 1830 Inv. Nr. P 1940-207 Ehem. Slg. Jantzen, Bremen |

