Zur Geschichte des Ehrenhofs
1898 ergriffen einige führende Industrielle und Künstler die Initiative, mit privatem Kapital auf städtischem Grund und Boden des Rheinufers die „Große Industrie-, Gewerbe und Kunstausstellung“ von 1902 auszurichten, um so die Messe- und Ausstellungsstadt Düsseldorf zu begründen. Im Zuge dieser Ausstellung wurde der Kunstpalast errichtet und den Künstlern überlassen. 1926 schließlich war es die Gesolei (Ausstellung für Gesundheitspflege, Soziale Fürsorge und Leibesübungen), für die – nach den Plänen von Wilhelm Kreis - der aus 1902 stehengebliebene Kunstpalast um die Gebäude des Kunstmuseums, des Reichsmuseums für Wirtschafts- und Gesellschaftskunde, des Planetariums und der Rheinterrassen ergänzt und in den Komplex des Ehrenhofs integriert wurde.
Zur Geschichte des Kunstmuseums Düsseldorf
Ab 1710 Aufbau der Gemäldegalerie des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz; 1805 Die Gemäldegalerie wird als Hausbesitz der Wittelsbacher bis auf wenige Arbeiten nach München gebracht; 1819 Preußische Neugründung der Kunstakademie. Die Akademie übernimmt den Rest der kurfürstlichen Kunstsammlung; 1846 Gründung eines Vereins zur Errichtung einer Gemäldegalerie in Düsseldorf 1883 Gründung des Kunstgewerbemuseums; 1909 Stiftung des Hetjens-Museums; 1913 Gründung der Städtischen Kunstsammlungen; 1914 Der Düsseldorfer Museumsverein, 1912 als Gesellschaft zur Ergänzung der Sammlung des Kunstmuseums gegründet, tritt die Nachfolge des Galerievereins an; 1925-1926 "Gesundheit, soziale Fürsorge, Leibesübungen". Die Pläne liefert Wilhelm Kreis, der damalige Leiter der Architektur-Abteilung an der Kunstakademie Düsseldorf; 1928 Die städtischen Kunstsammlungen – alle ausstellungsfähigen Gemälde, der Bestand des Kunstgewerbe- museums und des Hetjens-Museums - werden als Kunstmuseum im West- und Nordflügel der Ehrenhof-Bauten untergebracht; 1932 Übertragung der Akademie-Sammlung an das Kunstmuseum; 1943-1945 Die Sammlungen sind ausgelagert, Bomben und Artilleriebeschuß richten an den Ehrenhof-Gebäuden schwere Schäden an; 1948 Wiedereröffnung des Kunstmuseums. Ab 1963 Bedeutende Privatsammlungen kommen als Schenkungen oder Dauerleihgaben in das Museum: die Glassammlungen Hentrich und Barlach-Heuer, niederländische Genremalerei aus dem Vermächtnis Giradet, Skulpturen und Kleinplastiken der Sammlung Binder, mittelalterliche Skulpturen der Sammlung Schwartz, die Sammlung Koch mit Gemälden und Objekten der 60er Jahre; 1967 Das Hetjens-Museum wird als reines Keramik-Museum aus dem Bestand des Kunstmuseums ausgegliedert; 1977 Ausgliederung der Restaurierungs- Abteilung als selbständiges Institut; 1979 Schließung des Kunstmuseums wegen Baufälligkeit und Auslagerung seiner Bestände in vorhandene Gebäude im Stadtgebiet; Mai 1985 Eröffnung des wiederhergestellten und erweiterten Museumsgebäudes; 1990 Umbenennung in "Kunstmuseum Düsseldorf im Ehrenhof mit Sammlung Kunstakademie und Glasmuseum Hentrich"; 1993 Ein Brand im Museumsgebäude, der zwar nicht zum Verlust von Kunstwerken, wohl aber zu großflächigen Verrußungen führt, macht die Schließung der Schausammlung unumgänglich; 1994 Wiedereröffnung des Museumsgebäudes. 2001 Das
Kunstmuseum geht in das museum kunst palast über.
Zur Geschichte des Kunstpalastes
Artibus, "den Künsten", so steht es an der Fassade. Der Düsseldorfer Kunstpalast, das älteste Ausstellungsgebäude Düsseldorfs und Teil des architektur- und kulturgeschichtlich bedeutsamen Ehrenhof- Ensembles, trägt einen Namen, der Programm geworden ist:
Seit seinem Entstehen 1902 herrscht hier - bis auf wenige Unterbrechungen - die Kunst in vielen Facetten.
Vorbild war das Pariser "Petit Palais", das der Kunstpalast schließlich mit seinen 132 Metern Länge in den Größenverhältnissen noch übertraf. Insofern war er eine würdige Repräsentationsstätte der Düsseldorfer Künstlerschaft, die seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Deutschlands gehörte.
Von 1902 bis in die 20er Jahre:
Der Kunstpalast zwischen den Fronten
Im Anschluß an die Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung wurde das Ausstellungshaus den Düsseldorfer Künstlern, seit 1902 als Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen e. V. organisiert, übergeben. Noch für dasselbe Jahr beschlossen sie die Durchführung einer umfangreichen Kunstausstellung, die sich bald darauf als "die" große Kunstausstellung etablierte und von nun an in regelmäßigen Abständen veranstaltet wurde - stets großzügig unterstützt von der rheinischen Wirtschaft.
Der Architekt Wilhelm Kreis gestaltet einen "Olymp der Kunst"
Mit der "GESOLEI", 1926, der großen Ausstellung "Gesundheitspflege - Soziale Fürsorge - Leibesübungen" demonstrierte die Weimarer Republik, zu welchen Höchstleistungen sie trotz Kriegsfolgen und Ruhrgebiets- besetzung auf sozialpolitischem Gebiet in der Lage war. Architektonisches Zentrum der Ausstellung wurde das neu zu gestaltende Ehrenhof- Ensemble, in das auch der Kunstpalast miteinbezogen wurde.
Kreis konzipierte den gesamten "Ehrenhof" mit Kunstmuseum, Planetarium (heute Tonhalle), Landesmuseum Volk und Wirtschaft (heute NRW-Forum) sowie dem Großrestaurant "Rheinterrassen" im Sinne eines städtebaulichen Gesamtentwurfs. Die Anlage wurde räumlich und organisatorisch an den alten Kunstpalast angeschlossen, der auch weiterhin temporären Ausstellungen vorbehalten blieb.
Die 30er und 40er Jahre:
Die Herrschaft der Kunst wird unterbrochen
Auch in der Geschichte des Kunstpalastes ist diese Zeit ein finsteres Kapitel. Ausstellungen finden kaum noch statt, nur 1934 folgt noch einmal eine sogenannte "Gemeinschaftsausstellung deutscher Künstler". 1937/38 macht schließlich die nationalsozialistische Hetz- Ausstellung "Entartete Kunst" Station im Kunstpalast und markiert damit endgültig den Tiefpunkt seiner Entwicklung als einem Palast der Künste, in dem jetzt die Ideologie herrscht.
Die 50er Jahre: Aufbruch nach dem Krieg
Schon bald nach dem 2. Weltkrieg wird die Ausstellungstätigkeit wieder aufgenommen. Bereits 1946 wird der Robert-Schumann-Saal für 1200 Besucher gebaut.
Die 60er Jahre: Mehr Kommerz als Kunst
Die Bedeutung der Kunststadt Düsseldorf wächst, die Akademie zieht zunehmend bedeutende Lehrer an, viele ihrer Schüler werden später Künstler von internationalem Rang. Gleichzeitig fristet der Kunstpalast ein kunstloses Dasein: Die Messegesellschaft Nowea ist in den mittlerweile recht angeschlagenen Palast eingezogen und verläßt ihn erst 1976 wieder, jetzt in eindeutig marodem Zustand.
Die 70er und 80er Jahre:
Neue Wilde - auch im Kunstpalast
1985 wird das Kunstmuseum als Teil des Ehrenhofes renoviert und wiedereröffnet - der Kunstpalast an seiner Seite verfällt weiterhin. Trotzdem finden in dieser Zeit noch einmal wichtige Ausstellungen in seinen Räumen statt, so beispielsweise die sechs "Treibhaus"- Ausstellungen, die maßgeblich zur Karriere der Neuen Wilden beitrugen.
Der Kunstpalast - Ausstellungsort des Kunstmuseums
Auch wenn die Angst vor ausfallenden Heizkörpern oder dem nächsten Wassereinbruch seit den 70er Jahren untrennbar zum Ausstellungsgeschäft des damals mühsam bespielbar gehaltenen Kunstpalasts gehörte - die großräumigen Hallen hatten immer ihren eigenen, sehr individuellen Reiz. Für das Kunstmuseum, dem die Wechselausstellungsflächen im eigenen Haus fehlten, boten sie zusätzliche Möglichkeiten, über die kaum ein anderes Museum in Deutschland verfügte. Die dreischiffigen Hallen mit ihrem unprätentiösen Charakter, ihrer ehrlichen Gebrauchsarchitektur, auf die keinerlei be- sondere Rücksicht genommen werden musste, bestimmte - bewusst oder unbewusst - das Ausstellungsprogramm des Museums mit.
An keinem anderen Ort hätte die durch Stephan von Wiese konzipierte Reihe der "Treibhaus-Ausstellungen" eine solch unmittelbare Wirkung entfalten können wie hier. Junge, noch nicht etablierte Kunst fand so die ihr adäquate Umgebung. Auch erwiesen sich die Hallen als idealer Ort für monographische Ausstellungen großformatiger zeitgenössischer Kunst: Abraham David Christian, Arnulf Rainer, Maria Lassnig, Anthony Caro, Hans Peter Alvermann, Dieter Krieg, Felix Droese, Till Hohn, Cordula Güdemann, Karl Marx und andere wurden gezeigt. Ab 1982 bewährte sich der Kunstpalast mehrfach als neutral-sachliche Umgebung für große Design-Ausstellungen, ein von Wolfgang Schepers betreuter neuer Themenkreis des Kunstmuseums. Epoche machten die dem neuen, alternativen Design gewidmete Ausstellung "Gefühlscollagen – Wohnen von Sinnen", die große Übersichtsschau "Neues europäisches Design" und unter dem Titel "Citizen Office" eine experimentelle Darstellung der Arbeitswelt der Zukunft.
Daneben konnten große Privatsammlungen gezeigt werden, der Beitrag des Kunstmuseums zu dem städteübergreifenden Gemeinschaftsprojekt "Der west- deutsche Impuls" und, im Rahmen der auf die Kunstakademie gerichteten Arbeit des Kunstmuseums, mit "Saldo" die erste Gesamtschau der Klasse Klaus Rinke.
Die Wende zum 21. Jahrhundert:
Der neue Kunstpalast entsteht und geht in das museum kunst palast über
Mit der Neugestaltung des Kunstpalastes durch Oswald Mathias Ungers und der Bildung einer Public-Private-Partnership mit der in Düsseldorf ansässigen E.ON AG wurde endlich eine Lösung gefunden, die dem denkmalgeschützten Bau eine Zukunft sichert, die zugleich an eine wichtige Tradition seiner Vergangenheit anknüpft: an das enge, befruchtende Zusammenwirken von Kunst und Wirtschaft.
Mit Eröffnung des Neubaus des museum kunst palast im September 2001 wurde auch der Gebäudeflügel des Kunstmuseums innenarchitektonisch umgestaltet und in die Stiftung museum kunst palast überführt. Ziel ist es, einem internationalen Publikum ein interessantes Ausstellungserlebnis im gesamten Gebäude anzubieten, das auch eine neuartige Präsentation der Sammlungsbestände umfaßt.
Geschichte Ehrenhof
| ![]() Blick auf den alten Kunstpalast ![]() Blick auf das ehemalige Kunstpalast-Restaurant ![]() Luftaufnahme des Museums während es Umbaus im Jahre 2000 Foto: Michael Reisch ![]() Blick in den Saal, Foto: Christoph Schuhknecht, Düsseldorf ![]() Blick in das Foyer der Sammlung, Foto: Thorsten Schimmel ![]() Blick in den Innenhof des Ehrenhofs ![]() Luftaufnahme museum kunst palast, im Vordergrund: E.ON AG, Foto: E.ON AG ![]() Luftbild museum kunst palast, Foto: E.ON AG ![]() Foyer Robert-Schumann-Saal, Foto: Stefan Müller, Berlin ![]() museum kunst palast, Foto: Christoph Schuhknecht ![]() Ehrenhof bei Nacht Foto: Ulrich Otte, Düsseldorf ![]() Große Ausstellung Düsseldorf 1926 (Gesolei), Blick auf den neuen Kunstpalast und die Rheinterrasse |












